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Schnellkurs Radkurier

Radgeber


Wer einen Fahrradkurierdienst gründen möchte, hat meistens viele Fragen.

Das Basiswissen für Gründer vermittelt der "Radgeber oder Wie gründe ich einen Fahrradkurierdienst?"

Der "Radgeber" ist bestellbar beim

Bundesverband der Fahrradkurierdienste, Am Bahnhof 2, 33602 Bielefeld

Kosten: Vorkasse 29,90 EUR zuzgl. Versand (ist aber 5.000 EUR wert!!)

 

 

Gesundheitsgefährdungen


Gesundheitsgefährdungen für Radkuriere

Im Jahr 2002 wurden im Rahmen einer Studie 45 Münchner Radkuriere über einen Zeitraum von 5 Monaten hinweg untersucht. Insbesondere wurden

- die Krankheits-Vorgeschichte (Anamnese) der Untersuchten erfasst,

- arbeitstäglich zwei Lungenfunktionsprüfungen vorgenommen, jeweils vor und nach der Schicht,

- außerdem Blei, Cadmium, Benzol im Blut untersucht (plus Gegenprobe im Urin),

- jeweils ein Blutbild erstellt.

Die Auswertung von 43 Fragebögen ergab im Wesentlichen folgende Beschwerden:

Bewegungsapparat

- Kniegelenke (insgesamt klagten 69% über mäßige bis starke Beschwerden)

- Parästhesien (Missempfindungen) der Hände (30%)

- Handgelenke (27%)

Andere Symptome

- Naselaufen (insgesamt über 80%)

- Tränende Augen (ca. 30%)

- Hustenreiz (ca. 30%)

Die letztgenannten 3 Symptome gehen auf das Konto von Luftschadstoffen.

Luftschadstoffe lassen sich unterteilen in

a) Gasförmige Schadstoffe , wie Schwefeldioxid (SO2), Stickstoffverbindungen (NO, NO2), Kohlenmonoxid (CO), Ozon (O3) oder Benzol; sowie

b) Partikel, z.B. Pollen, Ruß, Aerosole (Feinststäube), Blei oder Cadmium.

Durch körperliche Tätigkeit werden Schadstoffe in besonders hoher Menge aufgenommen und besonders tief eingeatmet.

Allgemeine Folgen der Schadstoffaufnahme sind:

- Mehr broncho-pulmonale Symptome (Atembeschwerden)

- u.U. akute Vergiftungssymptome (Augentränen, Schwindel, Benommenheit)

- Verschlechterung der Lungenfunktion

- Kanzerogene Wirkung (krebsauslösend)

Gesundheitliche Konsequenzen der Schadstoffaufnahme werden beeinflusst davon

- ob jemand raucht,

- von Art & Dauer der Einwirkung,

- von Vorerkrankungen der Atemwege (Allergien, Asthma)

- vom Lebensalter.

Für die Studie wurden diese Untersuchungsergebnisse mit den Ozon- und Schwebstaubmessungen in der Innenstadt von München verglichen.

 

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

- Das Kurierdasein kann vor allem Folgen haben für den Bewegungsapparat und die Lungenfunktion.

- Die Mittelwerte der Lungenfunktionsanalysen lagen im Bereich der Sollwerte oder darüber. Das bedeutet, die Radkuriere hatten eine normale bis sehr gute Lungenfunktion. Über den Arbeitstag hinweg wurde aber eine Verschlechterung der Lungenfunktion festgestellt.

- Die Bleibelastung der Radkuriere war unauffällig im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Es gab auch keine signifikanten Unterschiede zwischen Rauchern und Nichtrauchern, Männern und Frauen.

- Bei 5 von 45 Testpersonen, das entspricht 11%, überschritten die Cadmiumkonzentrationen im Blut die obere Grenze für beruflich nicht-belastete Personen. Es handelte sich dabei um langjährige Raucher.

- 3 von 37 Kurieren (8%) wiesen höhere Benzolbelastungswerte auf als die Allgemeinbevölkerung. Die Belastung ist vergleichbar der von beruflich belasteten Personen (z.B. Tankwarte).

- Es gab keine Verbindung zwischen der Beschäftigungsdauer als Radkurier und der Lungenfunktion. Das heißt, auch Radkuriere, die den Job schon länger ausführten, hatten keine schlechteren Werte.

- Allerdings gab es einen Zusammenhang zwischen der Verschlechterung der Lungenfunktion zum Arbeitsende an Tagen mit hoher Schwebstaubkonzentration. Folge- und Spätschäden konnten nicht ausgeschlossen werden. Das bedeutet, insbesondere Schwebstaub kann auf die Dauer zu Schäden führen, die noch nicht genügend untersucht worden sind.

Dieser Text bezieht sich auf die Untersuchung von Diane Bettzüche: Untersuchungen zur broncho-pulmonalen Beanspruchung und der Schadstoffaufnahme gewerblicher Fahrradkuriere im Stadtgebiet München. Dissertation, München, 2002

GA

Das Leben der Radkuriere


Als erster Einstieg ins Thema eignet sich gut ein Artikel über Radkuriere in Berlin, den man unter diesem Link findet:

http://www.scheinschlagonline.de/archiv/2002/07_2002/texte/11.html

Wie wird man Radkurier?


Muss man dafür einfach fit genug sein? Oder braucht man noch andere Voraussetzungen?

Und wenn es in der eigenen Stadt noch keinen Radkurierdienst gibt, sollte man selbst einen aufmachen? Lohnt es sich überhaupt, in einer Kleinstadt einen Radkurierdienst zu eröffnen?

Das fragen sich immer mal wieder fahrradbegeisterte Leute. Deshalb einige Entscheidungshilfen...

 

Eigenschaften eines Fahrradkuriers


Wer FahrradkurierIn werden möchte, braucht nicht nur eine gut ausgebildete Beinmuskulatur. Eine Umfrage unter nordrhein-westfälischen Radkurierdienst-Chefs ergab: die wichtigsten Eigenschaften bei der Einstellung eines Fahrradkuriers sind Zuverlässigkeit und Freundlichkeit, den dritten Platz teilten sich mit jeweils gleichem Punktestand Pünktlichkeit, Kommunikationsfähigkeit und Flexibilität.

Für wünschenswert werden allgemein folgende Eigenschaften gehalten (in alphabetischer Reihenfolge):

Erste-Hilfe-Kenntnisse können absolut lebensrettend sein.

Flexibilität versteht sich wohl von selbst - sonst kann man besser Briefzusteller werden.

Freundlichkeit ist mit das Wichtigste überhaupt, denn sie kommt bei Kunden gut an...

Gepflegtes Äußeres ist relativ und stadtabhängig. Superschick ist ebenso fehl am Platze wie schlampige Kleidung. Funktionale Radbekleidung wirkt aber überall professionell.

Grundkenntnisse in rechtlichen, wirtschaftlichen, steuerlichen Angelegenheiten sind für Chefs und Ein-Mann-Unternehmer notwendig. Alle anderen profitieren aber auch davon, spätestens, wenn die Steuerklärung ansteht.

Handwerkliches Geschick kann nicht schaden, denn Reparaturen am Rad kommen immer mal wieder vor. Gute Kontakte zu Zweiradmechanikern und Schraubern helfen aber auch.

Kaufmännisches Wissen ist besonders dann erforderlich, wenn man auch mal im Büro sitzen muss. Unternehmer, ob nun Chef einer Ich-AG, eines mittelständischen Betriebs oder eines Konsortiums, kommen ohne nicht aus.

Kommunikationsfähigkeit muss sein. Ein Radkurier sollte jedenfalls so viel Deutsch sprechen, dass es keine Verständigungsprobleme mit den Kunden gibt.

Körperliche Fitness ist natürlich unerlässlich. Bei allen Gelenk- und Rückenbeschwerden ist vor Antritt des Jobs ein Arzt zu konsultieren unter Hinweis darauf, dass man berufsmäßig Rad fahren will. Auch Aushilfen sollten vor Antritt des Jobs mindestens regelmäßige Alltags-Radfahrer sein. Ist man längere Zeit in diesem Job tätig, empfehlen sich Ausgleichs- und Ergänzungsübungen, da auch Radfahren den Körper einseitig belastet.

Lernfähigkeit ist eine vielfach unterschätzte Eigenschaft. Man muss nicht nur wissen, was man dem Rad zutrauen kann, sondern auch, womit man es bei den Transportgütern zu tun hat – und da es ständig Neuerungen gibt, muss man eben dazu lernen.

Materialkenntnisse können helfen, einen Haufen Ärger zu vermeiden. Datenträger z.B. sind strahlenempfindlich, Filme nicht wasserfest und manchmal genügt ein Tropfen, der bei Regenwetter vom Helm fällt, um einen beträchtlichen Schaden zu verursachen.

Orientierungssinn und Ortskenntnis sind wichtig und gewisse Grundkenntnisse sollte man vor Beginn der Tätigkeit haben. Man erwirbt aber nach und nach eine detaillierte Ortskenntnis und das Wissen um Abkürzungen, Ampelschaltungen und Autoschlangen.

Pünktlichkeit ist eine Tugend, ohne die der Radkurier bald arbeitslos sein wird.

Schnelligkeit ist zwar auch wichtig, wird aber meistens überschätzt.

Stressfestigkeit ist erwünscht, auch und gerade in der rush hour und im Weihnachtsgewühl.

Verschwiegenheit wird meist durch Arbeitsvertrag oder AGB geregelt.

Vorausschauende Fahrweise erleichtert das Leben, hilft bei der Tourenplanung, schont sowohl Nerven als auch Energiespeicher und hilft Unfälle vermeiden.

Wetterfestigkeit ist unerlässlich: schließlich ist man das ganze Jahr unterwegs und kann nicht nur bei blauem Himmel und angenehmen Temperaturen die Kunden bedienen.

Zuverlässigkeit ist so ziemlich die wichtigste Eigenschaft für einen Fahrradkurier.

 

 

Das Wetter...


Im Sommer will anscheinend fast die halbe Welt als Fahrradkurier arbeiten, so dass sich die Kurierdienste vor Schönwetterfahrern kaum retten können. Aber dass Fahrradkuriere nur bei Sonnenschein unterwegs sind, ist ein Vorurteil ahnungsloser Mitmenschen.

So wie Eskimos eine ganze Palette von verschiedenen Schneearten unterscheiden, so unterscheiden Fahrradkuriere schon nach kurzer Zeit ganz unterschiedliche Arten von Regen, nämlich Nieselregen, Sprühregen, Platzregen, Gewitterregen, Schauertätigkeit, Eisregen, Dauerregen (in Ostwestfalen heißt letzterer lapidar „erhöhte Luftfeuchtigkeit"), außerdem Hagel, Graupel, horizontal und – ganz selten – auch von unten nach oben regnenden Regen. Es ist erstaunlich, wo man überall nass werden kann, und manchmal wünscht man sich, man wäre ein Brieflein im Rucksack.

Und wenn dann, nach einem langen, kalten und feuchten Winter endlich der Sommer da ist, kann man Radkuriere schon wieder bedauern. Natürlich ist es schön, in kurzen Hosen und T-Shirt unterwegs zu sein. Aber das ändert sich spätestens, wenn das Thermometer die 30°-Marke überschritten hat. Dann könnte selbst der eingefleischteste Fahrradkurier neidisch werden auf diejenigen, die in klimatisierten Räumen arbeiten. Man glaubt es kaum, aber selbst in Norddeutschland muss man im Sommer in Sonnencreme baden, um nicht als Grillwürstchen durch die Gegend zu fahren.

Felix Schnell, Radkurier

Schnellcheck


Selbstständig als Radkurier?  – Der Schnellcheck

 

 

Für jedes „stimmt“ gibt es einen Punkt, für jedes „stimmt nicht“ keinen.

 

 

·           Ich kann jeden Tag 70 bis 100 km mit dem Fahrrad zurücklegen.

 

·           Ich bin bereit, in meiner Freizeit, z.B. am Wochenende Rechnungen zu schreiben, Buchführung zu machen und Werbung zu entwerfen.

 

·           Meine Stadt hat mehr als 125.000 Einwohner.

 

·           In meiner Stadt gibt es keinen anderen Fahrradkurierbetrieb.

 

·           Mein Partner unterstützt mich, wenn ich mich selbstständig mache.

 

·           In meiner Stadt gibt es keinen Autokurier und kein Taxiunternehmen, das Botendienste übernimmt.

 

·           Wenn ich mich selbstständig mache, kann ich ein Jahr ohne oder mit nur sehr geringen Einnahmen durchhalten.

 

·           Mit Buchführung kenne ich mich aus.

 

·           Ich liebe Radfahren.

 

·           Ich weiß genau, wer meine Dienste benötigt.

 

·           Ich weiß, wie ich meine künftigen Kunden anspreche und Werbung für mich machen muss, damit ich Aufträge von ihnen bekomme.

 

·           Ich weiß, wie ich meine künftigen Kunden von meiner Dienstleistung überzeuge.

 

·           Ich habe meine Betriebskosten auf der Basis realistischer Zahlen ausgerechnet und weiß, welche Preise ich verlangen muss, um nicht Verlust zu machen.

 

·           Dauerregen macht mir nichts aus. 

 

·           Es gibt in meiner Stadt viele medizinische Einrichtungen wie z.B. mehrere Kliniken und Dentallabors, außerdem Druckereien und Werbebüros, Rechtsanwälte, Medien und Industriebetriebe. 

 

 

 

 

9 Punkte oder darunter: Du solltest dich unbedingt persönlich beraten lassen, bevor du in deiner Stadt einen Radkurier eröffnest.

 

10 – 14 Punkte: Wenn du hart arbeitest, kannst du es schaffen!

 

15 Punkte: Zu schön, um wahr zu sein! Du solltest unbedingt einen Radkurierdienst aufmachen. 

 

Mehr als 15 Punkte: Entweder du bist schwach im Rechnen und musst einen Buchhalter einstellen, der zusätzlich kostet, oder du hast irgendwo geflunkert. Glaub bloß nicht, dass die Kunden das nicht merken!!